Krafttraining für Läufer:innen - sinnvolle Ergänzung oder überflüssig?
Schwere Beine, weniger Tempo, verschwendete Energie - das ist die Angst vieler Läufer:innen vor der Hantelbank. Die Forschung sagt etwas anderes.
10 Reps Redaktion
Schwere Beine, weniger Tempo, verschwendete Energie - das ist die Angst vieler Läufer:innen vor der Hantelbank. Die Forschung sagt etwas anderes: Krafttraining macht dich nicht langsamer.
Es macht dich effizienter.
Was Krafttraining für deine Laufökonomie bringt
Laufökonomie ist simpel erklärt: wie viel Energie du brauchst, um ein bestimmtes Tempo zu halten. Weniger Energie pro Kilometer heißt mehr Reserve fürs Ende des Rennens. Und genau hier zahlt sich Krafttraining aus - vor allem schweres Training mit spürbarem Gewicht und ergänzende Sprungübungen (Plyometrics) verbessern die Laufökonomie messbar. Leichtes Training mit vielen Wiederholungen oder reines Halten von Positionen bringt dagegen kaum etwas. Die Trainingsart entscheidet.
Der Effekt zeigt sich nicht nur im Labor bei Tempo unter Ruhebedingungen, sondern auch dann, wenn es wirklich zählt: bei hoher Ermüdung in der zweiten Rennhälfte bleibt die Laufökonomie bei Läufer:innen mit Krafttraining stabiler. Genau die Phase, in der Rennen entschieden werden.
Schützt Krafttraining wirklich vor Verletzungen?
Hier lohnt sich Ehrlichkeit statt Floskel. Für Sport allgemein ist die Sache klar: Wer Kraft trainiert, verletzt sich seltener. Bei Läufer:innen speziell ist das Bild differenzierter. Reine Kraft- oder Übungsprogramme ohne Betreuung senken das Verletzungsrisiko in Studien nicht zuverlässig - erst wenn jemand dabei begleitet und angeleitet wird, zeigt sich ein klarer Schutzeffekt. Der Unterschied liegt vermutlich weniger an der Übung selbst als an sauberer Technik und Trainingstreue, die mit Anleitung steigen.
Kurz gesagt: Krafttraining kann schützen, ist aber kein Selbstläufer. Wie du es ausführst, zählt mehr, als ob du es tust.
Nimmt Krafttraining Energie vom Laufen weg?
Die Sorge vor dem sogenannten Interferenz-Effekt ist nicht komplett unbegründet, aber deutlich kleiner als ihr Ruf. Wer Kraft und Ausdauer im selben Zeitraum trainiert, bremst tatsächlich leicht die Kraftanpassung - die Laufleistung selbst bleibt davon meist unberührt. Für die Praxis heißt das: Die Reihenfolge innerhalb eines Trainingstages spielt fürs Laufen kaum eine Rolle. Für den Kraftaufbau ist es leicht günstiger, zuerst zu kräftigen und danach zu laufen statt umgekehrt.
Am wichtigsten bleibt der Abstand: Liegen mindestens sechs Stunden zwischen Kraft- und harter Laufeinheit, ist die Wechselwirkung ohnehin minimal.
Was das für deine Praxis bedeutet
UNSER ANSATZ BEI 10 REPSFür Läufer:innen muss Krafttraining vor allem eins sein: planbar, ohne den Laufkalender zu sprengen.
In der Workout-Bibliothek von 10 Reps lässt sich nach Dauer filtern - von 20 bis 60 Minuten ist alles dabei, sodass sich je nach Tagesform und Laufpensum eine kürzere, unterkörperlastige Session finden lässt. Wer lieber einer festen Struktur folgt, aktiviert stattdessen einen der mehrwöchigen Trainingspläne.
Fazit: Sinnvolle Ergänzung, kein Ersatz
Krafttraining verbessert bei Läufer:innen die Laufökonomie und häufig auch die Wettkampfleistung. Beim Verletzungsschutz kommt es mehr auf saubere Ausführung an als aufs Training an sich. Und die Angst vor negativer Wechselwirkung mit dem Laufen ist bei etwas Planung weitgehend unbegründet.
Kein Ersatz fürs Laufen - aber eine der am besten belegten Ergänzungen dazu.
- 1.Llanos-Lagos C, Ramirez-Campillo R, Moran J, Sáez de Villarreal E. „Effect of Strength Training Programs in Middle- and Long-Distance Runners' Economy at Different Running Speeds: A Systematic Review with Meta-analysis.“ Sports Medicine, 2024;54(4):895–932.
- 2.Llanos-Lagos C, Ramirez-Campillo R, Moran J, Sáez de Villarreal E. „The Effect of Strength Training Methods on Middle-Distance and Long-Distance Runners' Athletic Performance: A Systematic Review with Meta-analysis.“ Sports Medicine, 2024;54(7):1801–1833.
- 3.Zanini M, Folland JP, Wu H, Blagrove RC. „Strength Training Improves Running Economy Durability and Fatigued High-Intensity Performance in Well-Trained Male Runners: A Randomized Control Trial.“ Medicine & Science in Sports & Exercise, 2025;57(7):1546–1558.
- 4.Wu H, Brooke-Wavell K, Fong DTP, Paquette MR, Blagrove RC. „Do Exercise-Based Prevention Programs Reduce Injury in Endurance Runners? A Systematic Review and Meta-Analysis.“ Sports Medicine, 2024;54(5):1249–1267.
- 5.Chen Z, Wang J, Zhao K, He G. „Adherence to Strength Training and Lower Rates of Sports Injury in Contact Sports: A Systematic Review and Meta-analysis.“ Orthopaedic Journal of Sports Medicine, 2025;13(5):23259671251331134.
- 6.Vikestad V, Dalen T. „Effect of Strength and Endurance Training Sequence on Endurance Performance.“ Sports, 2024;12(8):226.
- 7.Hickson RC. „Interference of strength development by simultaneously training for strength and endurance.“ European Journal of Applied Physiology, 1980;45(2–3):255–263. (Historische Ursprungsstudie zum Begriff „Interferenz-Effekt“; die im Text zitierten aktuellen Einordnungen stammen aus Quelle 6.)
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